Autobiografische Skizzen

Die ersten Jahre (2015)

Ich bin in einer Handwerkerfamilie aufgewachsen. Meine Mutter, eine gelernte Schneiderin aus einer katholischen Eisenbahner-Familie mit Weingarten in Strasshof, ging unternehmungslustig als 23-jährige im Jahr 1937 mit einer Freundin als Au-pair-Mädchen nach London. Kurz vorher hatte sie in einem Wiener Prater-Cafe mit Tischtelefon meinen Vater kennen gelernt.

Ein Rückblick auf mein "Berufsleben" (2015)

Ich bin nicht als Architekt geboren worden. Mit sechzehn hatte ich eine erste Ausstellung meiner Malerei in einer kleinen Wiener Galerie und die feste Absicht, diese meine Leidenschaft zu meinem Beruf zu machen. Es sollte aber anders kommen. Nach der Matura, zurück kommend von einem längeren Auslandsaufenthalt, galt es, die Zeit bis zum Beginn des Studienjahres zu überbrücken. Ein mit meinem Vater befreundeter Maler - Feri Zotter - bot mir an, ich könne ihm bei der Anfertigung von Bühnenbildern und verschiedenen Sgraffiti für Wiener Gemeindebauten behilflich sein. Ich nahm natürlich dankbar an, schien es mir doch eine gute Gelegenheit zu sein, einen raschen Einstieg in die Berufspraxis eines Malers zu finden. Ich kletterte viel auf Baugerüsten herum, kratzte Feri Zotters Entwürfe in frische Putzschichten, malte großflächige Hintergrundprospekte und bastelte aus auf Rahmen gespanntes Leinen Wände für Bühnenräume. Nachdem Feri sich aus Gesundheitsgründen zurückziehen musste, übernahm ich seine Agenden. So wurde ich für einige Zeit Bühnenbildner der Burgenländischen Landesbühne.

Studienzeit (2017)

Ich begann mein Studium an der TU Wien eher zufällig, ohne wirkliche Vorstellung, welchen Weg ich da beschritten hatte. Es ging mir wohl eher darum, ein Studium zu beginnen, um meine Eltern nicht zu endtäuschen. Als Arbeiterkind eine Mittelschule, geschweige denn eine Universität zu besuchen , war im Österreich der 1950iger-Jahre keine Selbstverständlichkeit. Zwar gab es im von der bildungsaffinen Sozialdemokratie bestimmten Wien eine Befreiung vom Schulgeld und ein kleines Stipendium während des Besuchs der Oberstufe, das zwar klein war, aber doch meinen Eltern half. ich besuchte das Realgymnasium in der Brigittenauer Unterbergergasse. Wie ich später erfuhr, gab es damals an der doch recht großen Schule neben mir nur ein einziges "Arbeiterkind".