Erfahrungen mit dem System heutigen Bauens - am Beispiel eines städtischen Wohnhauses (2025)
Da gibt es den Projektentwickler und Bauträger, nennen wir ihn XY, von dem eine Wohnung gekauft wird. Dieser will natürlich möglichst viel verdienen. Zuerst hat er einmal das Grundstück gekauft. Das ist sehr teuer, denn bebaubare Liegenschaften sind in einer Großstadt mit rasch wachsender Bevölkerungszahl rar. Er beauftragt junge, unerfahrene Architekten mit der Planung. Die sind billiger. Diese wollen ein schönes Haus machen, investieren viel Arbeit, für die sorgfältige technische Durcharbeit fehlt dann die Zeit, vielleicht auch das Wissen, am Ende auch das Geld, denn die Mitarbeiter müssen auch bezahlt werden. Später auf der Baustelle erzählt der Polier, dass die Planung der Ableitung der Niederschlagswässer vergessen, oder einfach nicht mehr gemacht worden ist. Das wird er dann auf der Baustelle lösen müssen – oder auch nicht?
Das Recht auf Wohnen in einer marktfundamentalistischen Gesellschaft (Jänner 2022)
Unsere Massenmedien berichten in immer kürzeren Abständen über nicht mehr leistbare Wohnungsmieten in städtischen Ballungsräumen. Junge mittelständische Familien finden kaum mehr einkommensadäquate Mietwohnungen, so sie nicht das Glück haben in eine geförderte Sozialwohnung einziehen zu können, oder von ihren Eltern unterstützt zu werden. Gar nicht davon zu reden, dass die Preise der Eigentumswohnungen für diese Familien unerschwingliche Höhen erreicht haben. Das ist aber kein isoliert, regionales Phänomen. Die meisten Metropolen haben diese Probleme schon lange, zum Teil auch in einem viel größeren Ausmaß. Es handelt sich dabei um ein prinzipielles Problem marktfundamentalistisch orientierter Gesellschaften: Im Kern geht es um den Eigentumsbegriff an Grund und Boden in städtischen Ballungsräumen. Ein heißes Eisen, das anzugreifen wenige wagen.
Überlegungen zur Bodenpolitik in Ballungsräumen - am Beispiel des Wiener Wohnbaues (2019)
Ich bin in einer Zinskaserne eines Wiener Arbeiterbezirkes aufgewachsen. Unsere Wohnung war klein, obschon sie zu den größeren zählte und auch insofern privilegiert war, als sie das WC und einen Wasseranschluss in der Wohnung hatte. Die meisten im Haus hatten das nicht. Die Küchen hatten nur ein Fenster hinaus zum Erschließungsgang. Unterhaltungen zwischen den Wasser von der Bassena (Wasserzapfstelle am Gang) Holenden und den gerade Kochenden, über das geöffnete Fenster hinweg, waren häufig. Gleichsam eine großstädtische Form des Tratschens am Dorfbrunnen.
Über das Zeichnen von Häusern (2016)
Das Zeichnen war mir schon immer wichtig. Darüber hinaus spielte es beim Architektur-Studium eine nicht vernachlässigbare Rolle. Es gab Übungen im Zeichnen und Malen, Aktzeichnen und das Architektonische Zeichnen, bei dem etwa mit Reißfeder und Tusche Korinthische Kapitelle darzustellen und mit verdünnter Tusche plastisch zu kolorieren waren. In Ornamentaler Schrift galt es, in verschiedenen Schriftarten die Anfertigung schöner Schriftbilder zu üben. Kurzum, es stand das Erwerben handwerklicher Fähigkeiten im Mittelpunkt.
Das Schaffen öffentlicher Orte (2015)
Wien ist keine Stadt der Plätze. In den 1960iger-Jahren hatten es junge Menschen noch schwer, hier Orte unverbindlicher Zusammenkunft zu finden. Es gab fast keine Lokale in denen man einander treffen konnte, nur die Foyers der Kinos und Theater, an Diskotheken das "Atrium" für die Kinder der Oberschicht und den "Volksgarten" für den Rest. Im Sommer die Freibäder, das Jahr über die Sportplätze. Sonst wenig bis nichts.
Über das Reisen - Eine Betrachtung über den Bedeutungswandel von Bahnhöfen (2015)
Das Reisen hat sich geändert. Zur Zeit der Errichtung der großen, räumlich beeindruckenden Bahnhofshallen war das Reisen mit der Bahn ein Ereignis von Bedeutung. Die Vorbereitungen waren umfangreich, das Reisen teuer und im Wesentlichen der gesellschaftlichen Elite vorbehalten. Das Abfahren und Ankommen wurde architektonisch inszeniert. Heute bucht man schnell online im Internet und fliegt über das Wochenende nach Rom. Das kostet so viel wie ein Essen für Zwei im Restaurant. Mit der Bahn fahren Pendler täglich zur Arbeit, Manager zur Besprechung nach Linz, Salzburg oder München, die Fahrzeit zur Arbeit am Labtop nutzend, Schüler zur Schule. Ist das "Reisen"?
Grundriss einer nützlichen Architekturkritik ( 1987)
WOZU ARCHITEKTURKRITIK?
Der Kreis jener, welche mit Kunst konfrontiert werden, ist heute größer als in jeder anderen geschichtlichen Epoche. Da aber andererseits die Kenntnis der Mittel und Techniken so begrenzt geblieben ist wie zuvor, scheint mir notwendigerweise die Betonung der didaktischen, aufklärenden Funktion von Kunstkritik von großer Bedeutung zu sein.
Eine Fassadebetrachtung beim Spaziergang rund um den Wiener Stephansdom (1987)
Auf dem ersten Blick mit sparsam verwendeten Mitteln gestaltet, offenbart die Fassade des Kurhauses am Stephansplatz erst bei näherer Betrachtung, mit welcher Raffinesse die Fläche unter dem Motiv der „Drei-Zahl“ durchkomponiert wurde. In der Vertikalen findet sich die klassische Dreiteilung in Sockelgeschoss, Mittelstück und das oberste Geschoß mit dem Hauptgesims. In der funktionalen Hierarchie des Gebäudes ist dem ersten Stock, analog zur Beletage des Bürgertums, vorrangige Bedeutung zugewiesen.
Bauen und kulturelle Verantwortung (1985)
Bauen heißt teilnehmen am Kultur schaffenden Prozess, bedeutet Materialisation jener Ideen, welche das gesellschaftliche Geschehen wesentlich bestimmen. So gerät jede Auseinandersetzung mit dem Baugeschehen zur Kultur - bzw. Gesellschaftsbetrachtung, zur Suche nach den geistigen und materiellen Bedingungen der Architektur.
Rede zur Eröffnung des neuen Hauses für den Vorwärts-Verlag (1985)
Kunstgeschichte kann auch als ein Prozess interpretiert werden, der durch die Entwicklung neuer Ideen, Technologien und das Auftreten neuer gesellschaftlicher Gruppierungen maßgeblich bestimmt wird. Es lässt sich zum Beispiel darstellen, wie das aufsteigende Bürgertum, noch unsicher In seiner bestimmenden gesellschaftlichen Rolle, die abgelebten kulturellen Ausdrucksformen des Adels übernahm, um erst allmählich zur eigenen Sprache zu finden. Empire, Klassizismus, Gründerzeit und Jugendstil markieren die Stationen dieser Entwicklung.
Über Notwendigkeiten in der Architektur (1983)
AM ANFANG WAR DIE HÖHLE.
Existentielle Grundbedingung des Mangelwesen Mensch ist seine Ausgesetztheit. Er sucht, viel zu früh vertrieben aus dem Paradies des Uterus, verletzbar und hilfsbedürftig, immer wieder nach der Geborgenheit der Ur-Höhle. Die Höhle des urzeitlichen Menschen ist Ausgangspunkt aller Architektur und Archetypus des Raumes. Nicht zufällig erinnern im bergenden Schoß ägyptischer Pyramiden verborgenen Grabkammern und christliche Krypten an die ausgemalten Höhlenräume von Lascaux und Altamira.
Regionalismus (1982)
Im internationalen Baugeschehen ist eine zunehmend an Bedeutung gewinnende Tendenz erkennbar geworden, die mehr zu sein scheint, als bloß eine jener zahlreichen Moden, welche - kaum in Erscheinung getreten - rasch wieder in die Bedeutungslosigkeit zurücksinken. Diese Bewegung lässt sich verstehen als Antwort auf einen allumfassenden Identitätsverlust, Uniformität und Monotonie sowie auf den vorherrschenden formalen Libertinismus.