Zu Gesellschaft und Politik

Das "Denken" der Maschinen - Denken wie Maschinen (1984)

Führt die Evolution, wie manche Wissenschaftler meinen, zur Mensch-Maschinen-Symbiose, die uns befähigen wird Intelligenzleistungen durch Interaktion mit Computern in ungeahnte Bereiche zu steigern? Werden wir auf diese Weise "optimiert", den Problemen der Zukunft nicht nur gewappnet begegnen, sondern gleichsam zu neuen Horizonten vorstoßen? Oder führt uns das Vordringen der neuen Maschinen in eine Sackgasse der Evolution, in der uns der Untergang der Menschheit im atomaren Holocaust, im weltumspannenden Autismus und der Unfähigkeit zu sozialen Leistungen erwartet?

Abschied vom Glauben an die Gestaltbarkeit der Welt (2015)

Müssen wir Abschied nehmen vom Glauben an die Gestaltbarkeit der Welt? Ich sehe Resignation, Hilf - und Ratlosigkeit sich wie ein schleichend lähmendes Gift in unserer Gesellschaft ausbreiten. Rat - und Hilflosigkeit allerorten. Die Geschwindigkeit der Veränderungen raubt den Atem, Zeit zu Reflexion und Analyse wird nicht mehr gegeben. Die Informationsflut überschwemmt die Aufnahmefähigkeit. Was heute gilt, ist morgen überholt, das Abbild der Welt zersplittert in tausend Scherben, unsere Wahrnehmung wird fragmentiert, Homogenität ist nur mehr über Verweigerung herstellbar. Unser psychischer Wahrnehmungsapparat sucht nach Entlastung. Einerseits.

Vom Nutzen der Grenze (2016)

Ilse Aichinger veröffentlichte 1953 ihre Erzählung "Der Gefesselte". Jemand erwacht in der Sonne und entdeckt, dass er gefesselt ist. Eine dünne Schnur schlingt sich um Knöcheln, die Beine hinauf , über die Hüften, den Brustkorb und seine Arme. Lange glaubt er, dass die Fesselung fehlerlos ist, bis er schließlich kleine Zwischenräume entdeckt. Allmählich lernt er innerhalb der engen Grenzen, seine Bewegungen zu verfeinern und vorher ungeahnte Geschicklichkeit zu entwickeln. Schließlich landet er beim Zirkus.

Über Geheimnisse und private Sphären (2017)

Eine der Möglichkeiten über Geheimnisse und Geheimhaltung nachdenken besteht darin, sich mit Erscheinungsformen der Beziehungen zwischen Menschen zu beschäftigen und der Geheimhaltung als einem kommunikativen Verfahren mit speziellen Codierungen, also einer Sprache (nach van Manen). Wir bewegen uns dann in den Sphären des Soziologischen und Psychologischen. Wir können in Geheimnisse eingeweiht werden, sie entdecken und vor Anderen verbergen, sie erfinden. Sie beziehen sich in der Regel zielgerichtet auf konkrete Inhalte oder Bedeutungszusammenhänge. Im Unterschied dazu sind "Privatsphären" charakterisiert durch den Ausschluss und die Zurückweisung von Beziehungen und haben keine konkret eingegrenzten Inhalte (nach van Manen). Beide Begriffsfelder sind aber oft, sich manchmal gegenseitig bedingend, miteinander verknüpft und scheinen in allen Kulturen nachweisbar zu sein.

Vorurteile und paranoide Haltungen - gescheiterte Versuche des Welt-Verstehens 2018)

In dem nunmehr bald ein halbes Jahrhundert alten Liedtext "Da Hofa..." hat Joesi Prokopetz, wunderbar komprimiert, die misstrauisch-paranoide Grundhaltung dem Fremden gegenüber dargestellt, dem Außenseiter, der als Bedrohung erlebt wird und in den alles Schlechte, Verdrängte projiziert wird; und die schnell zur Lynchjustiz bereite, sich spontan bildende "Canettische Hetzmasse" (Elias Canetti, Masse und Macht), verbunden im gemeinsamen Vorurteil über den Hofer "den was kaner mog".

Vom Wert der Werte (2019)

 Jede menschliche Gemeinschaft bedarf verbindlicher Werte beziehungsweise Wertvorstellungen. Auch unreflektiert oder in stillschweigender, oft unbewusster Übereinkunft, bilden sie ein verbindendes Fundament. Aus aktuellen Anlässen wird gerne von unserer europäischen Leitkultur gesprochen und dem ihr zugrunde liegendes Fundament der Wertetrias "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit". Die Kluft zwischen diesen Werten und unserer aller Lebensrealität ist jedoch beträchtlich. Woran mag das liegen?