Zu Gesellschaft und Politik

Demokratie - Nur ein Schönwetterprogramm? (2022)

Anfang April 2022 brachte es ein jährlich erscheinender politikwissenschaftlicher Bericht in die Schlagzeilen unserer Massenmedien. Österreich war im weltweiten Demokratieranking weit nach unten abgerutscht und wurde nicht mehr zu den liberalen Demokratien gezählt. Plötzlich fanden wir uns nicht mehr wieder in Gesellschaft mit den westeuropäischen Ländern, sondern rangierten sogar hinter Ländern wie Chile, Ecuador oder Uruguay. Für manche ein Schock.

Leistbares Wohnen für alle in der Großstadt - eine Illusion? (In "Die Presse" v. 23.02.2022)

Massenmedien berichten in immer kürzeren Abständen über nicht mehr leistbare Wohnungsmieten in städtischen Ballungsräumen. Junge Familien finden kaum mehr einkommensadäquate Mietwohnungen, so sie nicht das Glück haben in einer geförderten Sozialwohnung einziehen zu können oder von ihren Eltern unterstützt zu werden. Gar nicht davon zu reden, dass die Preise der Eigentumswohnungen, auch für mittelständische Familien, unerschwingliche Höhen erreicht haben. Das ist aber kein isoliert, regionales Phänomen, sondern eines fast aller westlich orientierter Metropolen.

Corona-Text 10: Impfpflicht für alle? (1. Dezember 2021)

Unsere Regierung hat angesichts stagnierender Impfbereitschaft und explodierender Infektionszahlen beschlossen, eine allgemeine Impfpflicht einzuführen. Anders könne man nicht die von Experten empfohlene Impfquote erreichen, welche notwendig sei, um die Vollbelegung unserer Intensivstationen mit Corona-Erkrankten zu vermeiden.

Gleichheit oder Gerechtigkeit? Am Beispiel des Kuchens (2021)

Ist Gleichheit gerecht? "Selbstverständlich!" werden spontan viele antworten. Wer es z. B. unternimmt zu fragen, warum Gleichstellung, Gleichbehandlung, etc., wird wahrscheinlich als Antwort bekommen, weil das gerecht sei. Fordert also Gerechtigkeit Gleichheit? Welche Bindeworte stehen zwischen den Begriffen "Gerechtigkeit" und "Gleichheit"? Sagen wir Gleichheit ist gerecht, oder es gäbe Gerechtigkeit und Gleichheit, oder schlussendlich: man müsse wählen zwischen Gleichheit oder Gerechtigkeit?

Corona-Text 9: Warum hörte keiner zu? (31. März 2021)

Alles begann mit einem Schock.


Wir erinnern uns noch daran. Die verstörenden Bilder aus den überfüllten oberitalienischen Spitälern, auf den Gängen aneinandergereihte Betten im bleichen Kunstlicht, herabhängende Schläuche, dazwischen kaum Platz für die gehetzten, grün-weißen Gestalten ohne Gesichter, Augen verborgen hinter großen Schutzbrillen, vermummte, unkenntliche Köpfe. Alptraumhafte Fotos wie aus Tschernobyl. Und dann der Film aus Bergamo. Der Blick hinunter auf die düster beleuchtete, nächtliche, menschenleere Straße. Eine endlos scheinende, langsam und tonlos dahin-rollende Prozession von grau-schwarzen Armeelastwagen mit den Särgen der Corona-Toten, für die kein Platz mehr zu finden war auf dem Friedhof der Stadt.

Corona-Text 8: Unsere Regierung arbeitet erfolgreich an der Erhöhung der Impfskepsis (6.Jänner 2021)

Die bekannt niedrige Impfbereitschaft unserer Bevölkerung sollte alarmieren, scheint die Impfung doch die einzige Möglichkeit zu sein, die katastrophal langwährende Lahmlegung unseres Gesellschafts- und Wirtschaftslebens zu verkürzen. Hier sollte fast jedes Mittel recht sein, diese Bereitschaft wesentlich zu erhöhen. In dieser beunruhigenden Situation fiel unserer angeblich so professionellen Regierungsmannschaft nichts besseres ein, als mutig zu verkünden, sie verzichteten opferbereit und wahrhaft demokratisch auf das Privileg, sich als erste impfen zu lassen. Schlechter kann man es nicht machen!

Corona-Text 7: Warum erst jetzt eine offene Corona-Debatte? (19. Oktober 2020)

Brief an einen österreichischen Journalisten


Sehr geehrter Herr Redakteur,


Sie schreiben zu recht, es habe sich erwiesen, dass der (europaweit) gefahrene Kurs auf längere Sicht nicht durchzuhalten sei, nämlich auf steigende Infektionszahlen mit einer Verschärfung von (Anti) Corona-Maßnahmen zu reagieren, um diese dann beim Sinken wieder zu lockern. Diese Strategie sei angesichts der in den meisten Staaten wieder steigenden Infektionszahlen gescheitert. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen Alternativen zu diskutieren und Kritikern zuzuhören. Die Politik habe Fehler gemacht, das Fehlen einer offenen Debatte wiege aber schwerer. Man kann Ihrer Analyse nur zustimmen.

Corona-Text 6: Das erstaunliche Ignorieren technischer Lösungsansätze zur Bewältigung der Corona-Krise (in "Die Presse" v. 15. September 2020)

Die "Coronakrise" hat ein gesteigertes Bewusstsein für Infektionsrisiken geweckt. Allerdings sollte man die Auswirkungen auf konkretes, wirklich sinnhaftes Handeln nicht überschätzen. Die unzweifelhaft vorhandene, massive Bedrohung aktiviert bereits latent vorhandene, diffus lähmende Ängste, die vielfältige Ursachen haben können. Diese reichen von individuellen Vulnerabilitäten bis hin zum Gefühl des Ausgeliefert-Seins an eine nicht durchschau- und verstehbare, unaufhaltsam global fortschreitende, technische - und neuerdings digitale - Zivilisation.

Corona-Text 5: Über die trügerische Freiheit im Home-Office
(in "Die Presse" v. 7. September 2020)

Es ist nicht überraschend viel darüber zu lesen, wir müssten uns jetzt in der Corona-Krise darauf einstellen, das Arbeiten im "Home-Office" nicht nur als Notlösung in Zeiten des "Lockdowns" zu sehen. Viele hätten jetzt die Vorteile dieser Arbeitsform erlebt und verzichteten nur mehr ungerne darauf. Selbstbestimmt, mit freier Zeiteinteilung sich die Arbeit organisieren zu können, dann zu unterbrechen, wenn es passt und fortzusetzen, je nach Laune oder Möglichkeit, wären Vorteile, die zu schätzen man gelernt habe. Dem gehöre im digitalen Zeitalter die Zukunft der Arbeit.

Corona-Text 4: Aus einem Briefwechsel (7. April 2020)

Du kommst auch darauf zu sprechen, noch niemand habe gemeint, Gott oder Teufel hätten uns die Seuche geschickt wegen unserer Verderbtheit, eben als Strafe. Nun ganz so ist es nicht. Man kann auf der Website der Erzdiözese Wien nachlesen, was Kardinal Schönborn dazu meint. Ich hab's mir aufgeschrieben, sonst glaubt mir das niemand:

"Und dann stellt sich mir eine weitere Frage: Will Gott uns durch Corona etwas sagen" und führt das dann weiter aus: "Aber dass Gott durch Krisen bei uns anklopft und uns damit zum Nachdenken einladet, das glaube ich fest".

Corona-Text 3: Droht eine Gesundheitsdiktatur? (3. April 2020)

Ältere sind mit der Lektüre von Orwells Dystopie "1984" aufgewachsen. Geschrieben unter dem Eindruck der allmählich auch im Westen endlich wahrgenommenen Berichte über das stalinistische Terrorregime, schienen uns damals die beschriebenen technischen Mittel der Überwachung einer ausufernden Phantasie entsprungen. Heutige Technologien haben längst schon diese kühn, visionären Bilder übertroffen. Das muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Heute kann man in jedem elektronischen Supermarkt für einen zwei- bis dreistelligen Betrag ein Equipment einkaufen, von dem James Bond nur träumen hätte können.

Corona-Text 2: Die gefährdete Zitadelle der Freiheit (1. April 2020)

Wie instabil die Hierarchie unserer Werte ist, wird uns in diesen Tagen im weltweiten Großversuch vorgeführt. Noch vor kurzem hätte kaum einer von uns sich vorstellen können, wie nahezu reibungslos individuelle Freiheitsrechte aufgegeben werden zugunsten des höchsten Gutes, das offenbar unser Leben ist. Um nicht missverstanden zu werden, auch ich meine, das ist alles in Ordnung. Trotzdem bin ich besorgt.

Corona-Text 1: Schule in Zeiten der Pandemie (30. März 2020)

Viele Eltern sitzen jetzt notgedrungen zu Hause und mühen sich, in der Heim-Quarantäne festsitzend, gemeinsam mit ihren Kindern ab, die von ihren Lehrern übermittelten Übungs-Aufgaben abzuarbeiten. Manche machen das gerne, manche auch "übergerne", eben jene, welche das schon in Corona fernen Zeiten, sehr zum Leidwesen ihrer Kinder (und auch deren Lehrer) schon immer gemacht haben. Die mehr oder weniger gebildeten "Mittelständler" werden es irgendwie aushalten, deren Kinder auch, sofern sie die gelegentlichen, überforderungsgenerierten Wutausbrüche ihr lehrverpflichteten Eltern beschädigungslos überstehen.

Vom Wert der Werte (2019)

Jede menschliche Gemeinschaft bedarf verbindlicher Werte beziehungsweise Wertvorstellungen. Auch unreflektiert oder in stillschweigender, oft unbewusster Übereinkunft, bilden sie ein verbindendes Fundament. Aus aktuellen Anlässen wird gerne von unserer europäischen Leitkultur gesprochen und dem ihr zugrunde liegendes Fundament der Wertetrias "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit". Die Kluft zwischen diesen Werten und unserer aller Lebensrealität ist jedoch beträchtlich. Woran mag das liegen?

Vorurteile und paranoide Haltungen - gescheiterte Versuche des Welt-Verstehens (2018)

In dem nunmehr bald ein halbes Jahrhundert alten Liedtext "Da Hofa..." hat Joesi Prokopetz, wunderbar komprimiert, die misstrauisch-paranoide Grundhaltung dem Fremden gegenüber dargestellt, dem Außenseiter, der als Bedrohung erlebt wird und in den alles Schlechte, Verdrängte projiziert wird; und die schnell zur Lynchjustiz bereite, sich spontan bildende "Canettische Hetzmasse" (Elias Canetti, Masse und Macht), verbunden im gemeinsamen Vorurteil über den Hofer "den was kaner mog"

Über Geheimnisse und private Sphären (2017)

Eine der Möglichkeiten über Geheimnisse und Geheimhaltung nachdenken besteht darin, sich mit Erscheinungsformen der Beziehungen zwischen Menschen zu beschäftigen und der Geheimhaltung als einem kommunikativen Verfahren mit speziellen Codierungen, also einer Sprache (nach van Manen). Wir bewegen uns dann in den Sphären des Soziologischen und Psychologischen. Wir können in Geheimnisse eingeweiht werden, sie entdecken und vor Anderen verbergen, sie erfinden. Sie beziehen sich in der Regel zielgerichtet auf konkrete Inhalte oder Bedeutungszusammenhänge. Im Unterschied dazu sind "Privatsphären" charakterisiert durch den Ausschluss und die Zurückweisung von Beziehungen und haben keine konkret eingegrenzten Inhalte (nach van Manen). Beide Begriffsfelder sind aber oft, sich manchmal gegenseitig bedingend, miteinander verknüpft und scheinen in allen Kulturen nachweisbar zu sein.

Vom Nutzen der Grenze (2016)

Ilse Aichinger veröffentlichte 1953 ihre Erzählung "Der Gefesselte". Jemand erwacht in der Sonne und entdeckt, dass er gefesselt ist. Eine dünne Schnur schlingt sich um Knöcheln, die Beine hinauf , über die Hüften, den Brustkorb und seine Arme. Lange glaubt er, dass die Fesselung fehlerlos ist, bis er schließlich kleine Zwischenräume entdeckt. Allmählich lernt er innerhalb der engen Grenzen, seine Bewegungen zu verfeinern und vorher ungeahnte Geschicklichkeit zu entwickeln. Schließlich landet er beim Zirkus.

Abschied vom Glauben an die Gestaltbarkeit der Welt (2015)

Müssen wir Abschied nehmen vom Glauben an die Gestaltbarkeit der Welt? Ich sehe Resignation, Hilf - und Ratlosigkeit sich wie ein schleichend lähmendes Gift in unserer Gesellschaft ausbreiten. Rat - und Hilflosigkeit allerorten. Die Geschwindigkeit der Veränderungen raubt den Atem, Zeit zu Reflexion und Analyse wird nicht mehr gegeben. Die Informationsflut überschwemmt die Aufnahmefähigkeit. Was heute gilt, ist morgen überholt, das Abbild der Welt zersplittert in tausend Scherben, unsere Wahrnehmung wird fragmentiert, Homogenität ist nur mehr über Verweigerung herstellbar. Unser psychischer Wahrnehmungsapparat sucht nach Entlastung. Einerseits.

Das "Denken" der Maschinen - Denken wie Maschinen (1984)

Führt die Evolution, wie manche Wissenschaftler meinen, zur Mensch-Maschinen-Symbiose, die uns befähigen wird Intelligenzleistungen durch Interaktion mit Computern in ungeahnte Bereiche zu steigern? Werden wir auf diese Weise "optimiert", den Problemen der Zukunft nicht nur gewappnet begegnen, sondern gleichsam zu neuen Horizonten vorstoßen? Oder führt uns das Vordringen der neuen Maschinen in eine Sackgasse der Evolution, in der uns der Untergang der Menschheit im atomaren Holocaust, im weltumspannenden Autismus und der Unfähigkeit zu sozialen Leistungen erwartet?

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